[Rezension] Andrea Sawatzki - "Ein allzu braves Mädchen"

Andrea Sawatzki - Ein allzu braves Mädchen
Gegenwartsliteratur

Verlag: Piper-Verlag
Umschlaggestaltung: Cornelia Niere, München
Umschlagabbildungen: plainpicture /Arcangel /Elisa Lazo
ISBN 13: 978-3-492-05566-6
Seiten: 175 Seiten
Erschienen: 12. März 2013

Buchrückentext
„Ihre roten Haare leichten zwischen dem Grün der Bäume. Man findet die junge Frau verstört und frierend in einem Waldstück. Was sie der Psychiaterin zu erzählen hat, lässt niemanden kalt. Aber entspricht das, was sie erlebt zu haben glaubt, auch der Wahrheit?“

Meine Meinung
Ich habe bereits „Der fremder Augen“ von Andrea Sawatzki gehört und mochte es sehr gerne – ihr Debütroman als Autorin ist mir eher zufällig in die Hände gefallen. Auch wenn mich nicht alles überzeugen konnte, war ich doch gefesselt von der eigenwilligen Geschichte, die einen ganz speziellen Sog auf mich ausgeübt hat.

Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die völlig verstört in einem Wald aufgefunden wird – sie weiß nicht, wer sie ist und wird erst einmal in eine Psychiatrie gebracht. Sie spricht mit niemandem, einzig die Psychiaterin Dr. Minkowa findet Zugang zu ihr. Parallel wird ein älterer Herr ermordet aufgefunden, eine Spur zu einem Mörder gibt es nicht. 

Die Geschichte ist eine ruhige, dafür aber umso intensiver - man sollte keinen Krimi erwartet, auch wenn in einem Nebenstrang ein Mord aufgeklärt werden wird, vielmehr handelt es sich um eine Erzählung oder auch einem Kammerspiel. Die größten Teile der Geschichte werden von der jungen Unbekannten erzählt, die zurückblickt in ihre Vergangenheit, die sie szenisch und in Episoden wiedergibt. Dabei verstrickt sie sich immer wieder in Widersprüche, man weiß nicht, was wahr und was falsch ist und trotzdem wirkt alles Gesagte glaubhaft und wahr – so als habe sich die Unbekannte eine eigene Wahrheit geschaffen. Als Leser ahnt man natürlich, dass die Unbekannte etwas mit dem Tod des alten Mannes zu tun hat, aber was genau, ergibt sich erst nach und nach. Mit jeder Erinnerung setzt sich ein Bild zusammen, gleich einem Puzzle, das Stein für Stein zu einem großen Ganzen wird. 

Mich hat die Geschichte von Anfang an gepackt – sie ist klar und direkt erzählt, oft schon nüchtern, und trotzdem ist sie voller Emotion. Es stellen sich viele Fragen und so ist bei mir ein Sog entstanden, der mich das Buch hat in einem Rutsch durchlesen lassen. Lediglich das Ende konnte mich dann nicht überzeugen, es hat die Geschichte einfach nicht richtig zum Abschluss gebracht und mich irgendwie ratlos zurückgelassen. Trotzdem fühlte ich mich insgesamt gut unterhalten und gebe daher 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Nüchtern und klar erzählt, erhält man Einblicke in die Kindheit und Jugend einer jungen Frau – eine Kindheit, die viele Spuren hinterlassen hat und manches Verhalten erklärt. Die Erzählung hat auf mich einen ganz besonderen Sog ausgeübt, nur das Ende hat mich dann ein wenig enttäuscht – ich gebe daher 3,5 von 5 Sternen.


1 Kommentar:

  1. Sehr geiles Cover schonmal! Ich wird das Buch auch lesen, du hast mich gleich neugierig gemacht und ich kannte es noch gar nicht. Schön, mal wieder was neues entdeckt :) Schade das dir das Ende nicht gefallen hat, das ist dann wirklich immer ein bisschen ärgerlich

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Kommentare: