[Rezension] Iny Lorentz - "Die Widerspenstige"

Iny Lorentz - Die Widerspenstige
Historischer Roman

Verlag: Droemer-Knaur
Covergestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Coverabbildung: © Lee Avison /Trevillion Images und The Confrontation, 1600 (panel), Vrancx, Sebastian /Johnny van Haeften Gallery, London, UK /Bridgeman Images
ISBN 13: 978-3-426-66383-7
Seiten: 677 Seiten
Erschienen: 2. Oktober 2017

Zum Inhalt
„Um ihr Erbe betrogen und auf der Flucht vor einer erzwungenen Ehe gibt Johanna von Allersheim sich als Mann aus. Zuflucht finden sie und ihr Zwillingsbruder Karl schließlich bei Adam Osmanski, einem entfernten Cousin und Festungskommandanten in Polen, der die Geschwister allerdings nicht eben freundlich willkommen heißt. Nicht ahnend, dass Adam über ihre Identität Bescheid weiß, beschließt Johanna, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Adam spielt ihr Spiel mit, bewundert er doch widerwillig den Mut der jungen Frau. Plötzlich ergeht der Befehl an alle Männer der Festung, sich dem königlichen Heer anzuschließen, denn die Truppen des Osmanischen Reiches ziehen gegen Wien – zu spät für Johanna, ihr wahres Geschlecht aufzudecken.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Auch wenn die Idee der Geschichte keine neue ist – junge Frau auf der Flucht muss sich als Junge verkleiden und durchschlagen – fand ich die Umsetzung diesmal sehr gelungen: ich hatte schöne Lesestunden und fühlte mich gut unterhalten.

Das Autorenduo hat es wieder geschafft, mich zu fesseln und in eine andere Zeit zu katapultieren. Man wird direkt rein geschmissen ins Geschehen und es dauert auch nicht lange, bis sich die Geschwister Johanna und Karl auf die Flucht machen – und hier erleben sie einiges: es gibt Schlachten und Kriege, Intrigen und Verrat, Freundschaft und Kameradschaft und im Laufe der Geschichte auch ein bisschen Romanze. Die nimmt aber wirklich nur einen kleinen Teil ein und steht nie im Vordergrund.

Johanna und Karl mochte ich beide – auch wenn sie ganz unterschiedlich sind. Während Karl eher zurückhaltend und vorsichtig ist, prescht Johanna immer direkt nach vorne, ist neugierig und selbstbewusst und lässt sich so schnell nicht einschüchtern. Gegen sie wirkt Karl immer ein wenig blass, obwohl auch er sich nicht verstecken muss. Beide haben ihr Herz am rechten Fleck und sind sehr loyal – ich habe sie gerne begleitet und mit beiden gefiebert. Aber auch andere Charaktere sind gut gezeichnet – auch wenn die Bösen böse und die Guten gut sind und es da leider nur wenige Abstufungen gab, fand ich die Figuren doch gelungen.

Die Geschichte selber ist gut recherchiert und man erfährt als Leser einiges über das osmanische Reich – ich fand das interessant, da ich bisher dazu nur wenig gelesen habe. Dabei wird es aber nie langweilig, sondern die Geschichte ist lebendig erzählt und besticht durch einige Überraschungen und Wendungen. Lediglich im Mittelteil waren es mir dann zu viele der Schlachten und es wurde etwas langatmig – diese „Durststrecke“ hat aber nicht lange angehalten und bald war ich wieder gefesselt. Auch wenn man als Leser ahnt, wie sich die Geschichte um Johanna auflösen wird, hat das den Lesespaß nicht getrübt.

Der Schreibstil ist gewohnt leicht zu lesen, schafft es, die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen und wird durch viele Dialoge sehr lebendig – so sind die Seiten rasch dahingeflogen. Ein wenig gefehlt hat mir lediglich die Tiefe in der Geschichte, weil sie doch sehr konstruiert wirkt – dennoch hatte ich unterhaltsame Lesestunden und gebe daher 4 von 5 Sternen. 

Mein Fazit
Auch wenn ich schon viele Geschichten gelesen habe, in denen sich eine Frau als Mann verkleidet durchs Leben schlägt, hat mich „Die Widerspenstige“ doch überzeugen können – die Charaktere sind sympathisch, der Schreibstil angenehm und das Szenario für mich mal ein anderes. Lediglich die Tiefe hat mir bei dieser eher konstruiert wirkenden Geschichte gefehlt, trotzdem wurde ich gut unterhalten und gebe 4 von 5 Sternen.

WERBUNG: Vielen Dank an den Droemer-Knaur-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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